Ich habe wohl einen oder zwei Monate lang komplett vegan gelebt. Jetzt habe ich offiziell damit aufgehört.
Momentan verstehen wir uns auch nicht so gut, aber ich glaube nicht, dass es daran liegt (und das ist eine andere Geschichte).
Ich habe mal irgendwo gelesen, dass der Klimawandel zu 52% von der Landwirtschaft bedingt ist, also zum Großteil aus der Tierhaltung. Das hat sich zwar später als nicht ganz richtig herausgestellt (es sind wohl echt nur 10 oder 12% der Treibhausgase aus der Landwirtschaft, während aber 50% des weltweiten Methans tatsächlich aus der Tierhaltung kommt), aber da ich schon kein Auto fuhr (aufgrund des damaligen Automangels in meiner Familie und meines damaligen Führerscheinmangels) und im Bereich von fossilen Brennstoffen versuchte, so sparsam wie möglich zu sein (ich glaube, ich überzeugte meine Eltern vom Stromwechsel, den ich dann auch durchführte, bevor ich Vegetarier wurde), beschloss ich, dass ich konsequenterweise auf Fleisch verzichten müsse.
Obwohl ich es echt liebe. (Man beachte den Gebrauch von Präsenz!)
Hier werde ich keinesfalls auf die Frage eingehen, ob es den Klimawandel überhaupt gibt, da ich das lächerlich finde, dass manche Menschen glauben, die Politiker oder wer-auch-immer hätten echt 95% aller wissenschaftlichen Untersuchungen manipuliert, nur um eine tolle Verschwörung in die Gänge zu bringen, die höchstens die erneuerbaren Energien fördern würde, aber sonst irgendwie nicht so viel. Selbst wenn es die Erderwärmung nicht gäbe, wären irgendwann alle Rohstoffe verbraucht, wenn wir so weitermachen - kann ja nicht unendlich sein, oder? - und das wäre auch eine ziemliche Katastrophe.
Und ich will auch nicht lange darauf eingehen, ob die Klimaerwärmung menschengemacht ist, oder nicht. Das kann uns auch eigentlich ziemlich egal sein, da es, sollte sich die Erde erwärmen, für viele sehr ungemütlich hier wird und es daher in jedem Fall erstrebenswert wäre, die Erwärmung aufzuhalten.
Also bin ich Vegetarier geworden.
Zwar Vegetarier mit Extras, oder Vegetarier+, oder Pseudovegetarier, da ich ab und zu Ausnahmen mache und diese dann besonders genieße.
Ich will nämlich nicht, dass für mich der Regenwald abgeholzt oder abgebrannt wird, damit dort in Monokulturen für ein paar Jahre Soja angebaut wird, bis der Boden durch Erosion alle Nährstoffe verloren hat, und dann die Sojabohnen eine unglückliche Kuh füttern, die ihr Leben lang Methan furzt, das ein 25-Mal stärkeres Treibhausgas ist, als CO². Und dann esse ich ein Stück dieser Kuh, obwohl ich auch einfach direkt Sojabohnen essen könnte, wodurch viel weniger Nahrung verschwendet würde.
Der Vegetarismus war aber inkonsequent.
Das war mir selbst klar, aber musste mir erst von einem netten Menschen in einer halb durchdiskutierten Nacht gesagt werden.
Kühe, die gemolken werden, müssen ja erst Kälber bekommen, die dann ebenfalls ernährt und geschlachtet werden. Und sie alle furzen vergnügt herum.
Und auch Hennen, die ihr Leben lang nur Eier legen, hatten auch mal Brüder, die dann einfach als Küken zerquetscht wurden, da man so viele Hähne wie Hennen nicht braucht. Und Hühner fressen und fressen und legen jeden Tag ein Ei und Sonntags auch mal zwei. Ebenfalls kein besonders gutes Verhältnis von Input und Output.
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| http://www.huehner-info.de/infos/futter_mangelernaehrung.htm |
Also hörte ich auf, Milch zu trinken. Im Tee schmeckt Sojamilch nämlich fast genau so gut und es tat meiner Dauerlaufnase nicht schlecht.
Es war auch spannend, mal alle Milchsorten durchzuprobieren: Reismilch, Hafermilch, Sojareismilch, Mandelmilch, Dinkelmilch, von allen möglichen Marken. Teilweise sogar günstiger als die Bio-Kuhmilch (was eigentlich selbstverständlich sein müsste). Und Sojaschokomilch kann man pur auch gut trinken.
Eier waren ohnehin schon als Vegetarier immer ein Balanceakt gewesen: Ab wann ist ein Ei lebendig? Ist es nicht vegetarisch, weil es vielleicht hätte befruchtet werden können? Ist es nicht vegetarisch weil es befruchtet war, aber nie bebrütet wurde? (Fast ein bisschen wie die Kontroversen um Abtreibung.) Eier habe ich jedenfalls nicht so viele gegessen. (Obwohl Spiegeleier immer eine tolle Kochidee waren, wenn man keine Idee/Lust zum Kochen hatte.)
Schließlich lernte ich meinen Freund kennen und war anfangs nur solidarisch, aber schnell aß ich auch in seiner Abwesenheit keine tierischen Produkte.
Obwohl ich mir schon vorher die ganzen Gedanken gemacht hatte, waren es wohl die falschen Beweggründe zum Wechsel und ich war nie mit vollem Herzen dabei.
Das sagen viele: Man muss es wirklich wollen und dann ist es toll.
Meine neuste Theorie ist anders: Wenn man gerne kocht, ist es einfach. Wenn man lieber essen geht, oder Tiefkühlsachen und leicht zu beschaffene Süßigkeiten möchte und einfach Käsebrote wunderbar findet, kann es recht schwer werden.
Außer man isst dauernd Indisch oder Pommes, Zartbitterschokolade und total teuren Pseudokäse (ich habe ihn Touseau (Tuso)-Käse getauft). So wie mein Freund.
Also esse ich jetzt wieder ab und zu Milchschokolade, sehe es beim Essen gehen manchmal nicht so eng (obwohl man gerade dann konsequenter sein müsste, weil es meistens nicht einmal bio ist) und an den Honigverzicht und Wollverzicht habe ich ohnehin nie wirklich geglaubt.
Und deswegen bin ich kein Veganer mehr.

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